Dieses Foto charakterisiert für mich die heutige Parade am Roten Platz am besten.
Diejenigen die eigentlich heute geehrt werden müssten, die Veteranen des Zweiten Weltkrieges, müssen sich den Weg zur Parade selbst freikämpfen. Auf den Roten Platz kommen sie aber nicht. Kein Durchgang ohne Sonderausweis. Das obige Foto zeigt einen Veteranen der heute erfolglos versucht zum Roten Platz zu gelangen. So viel zur echten Ehre. Und ich schweige von den unzähligen sozialen und anderen Problemen mit denen die Veteranen ständig konfrontiert sind. Jedes Jahr wird ihnen etwas versprochen und jedes nächste Jahr muss wieder etwas versprochen werden.
Einen meiner Meinung nach guten Kommentar zur heutigen Militärparade am Roten Platz lieferte Johannes Voswinkel in der ZEIT. Fazit: Der heutige russische Nationalismus wird als Mittel zum Machterhalt von den Eliten ausgenutzt. Das erklärt überhaupt warum zum ersten Mal seit dem Ende der Sowjetunion wieder die Atomraketen über Moskaus Straßen fahren. Er liefert aber keinen Ersatz für eine gemeinsame Kultur der Russen. Vielmehr fördert er sehr gefährliche Entwicklungen, wie das Erstarken der Neonazis. Deren Aktivität nimmt seit Jahren zu, was sich an den schnell ansteigenden Morden und Angriffen auf Ausländer bemerkbar macht.
Und so kommt es, dass auf den Tribünen neben Vorzeigeveteranen, junge dynamische Vertretter Vertreter von “Einiges Russland” sitzen und medienwirksam Blümchen überreichen.
Bildnachweis: Mit freundlicher Genehmigung von moscou-actu
Habe heute bei der ZEIT ein Video von der Vereidigung von Medewedew gefunden. Interessante Gesichtsausdrucke. Deutlich finde ich den Drang Putins im Vordergrund zu stehen. Ich glaube eher, dass das ein Signal der Schwäche seinerseits ist. Echte Veränderungen im Machtgefüge werden sich aber wohl erst in einigen Monaten, wenn nicht erst nach einem Jahr, zeigen.
Es gibt viele Äußerungen, dass Putin mit einer Zweidrittelmehrheit in der Duma Medwedew kontrollieren könne, weil er so ein Amtsenthebungsverfahren anstengen könnte. Nun Fakt ist, dass für die Amtsenthebung des Präsidenten nach der russischen Verfassung eine Zweidrittelmehrheit in beiden Parlamentskammern, also in der Duma und im Föderationsrat, nötig ist. Der Föderationsrat stellt sich aber zur Hälfte aus den Vertretern der Executive, also der Gouverneure der einzelnen Föderationssubjekten (ähnl. zu Bundesländern), zusammen. Die letzteren sind zwar jetzt nach den neueren Gesetzen auch dem Premierminister Rechenschaft schuldig. Die Macht zum beliebigen Zeitpunkt einen neuen Gouverneur zu ernennen liegt aber immer noch allein beim Präsidenten.
Somit würde es zum absolut unwahrscheinlichem offenem Schlagabtausch zwischen Putin und Medwedew kommen, könnte der letztere sich jederzeit leicht verteidigen. Putin hat einfach einen zu starken Platz geschaffen, so leicht lässt er sich nicht wieder schwächen.
Letzte Woche wurde eine unbemahnte georgische Drohne über Abchasien von einer russischen MIG abgeschossen. Nach dem es zunächst unterschiedlichste Versionen dieser Geschichte zu geben schien, wurde nun ein Video von georgischem Reuters in Youtube gestellt, auf dem man ein Manöver der wunderbaren MIG 29 sieht die das mit Videokamera gerüstete Vehikel mit einer Rakete vom Himmel holt. Dazu erklärt ein Offizier, dass das Flugzeug in den georgischen Staatsraum geflogen sei und dass die abchasischen Rebellen keine MIG 29 beisitzen. Man sieht wirklich nicht jeden Tag wie ein wirklicher Abschussmanöver aussieht.
Schade und unnütz erscheinen da die Berichte des russischen Staatsfernsehens ein Flugzeug der Klasse “Л-39″ der abchasischen Separatisten hätte den Abschuss vorgenommen, auf der verlinkten Seite ist auch ein Foto zu sehen. Es ist wirklich nicht schwer zu erkennen, dass diese Maschine, im Vergleich zur MIG ein Doppeldecker, nicht in diesem Video zu sehen ist. Aber vergleichen Sie selbst.
Wie die dieser Woche die Zeitung “Kommersant” berichtet, wurde am 19. März in aller Stille vom Föderationsrat Russlands (ähnl. dem Bundesrat) ein Gesetz verabschiedet, welches unter anderem die Vollmachten des Präsidenten und des Premierminister schärfer unterscheidet. Es erlaubt dem Präsidenten einige Macht die dieser über die vom ihm ernannten Gouverneure (ähnl. Ministerpräsidenten) auf den Premierminister zu übertragen. Lies mehr…
In diesen Tagen wird das Thema der russischen Armee sehr interessant. Heute ist eine gute Reportage bei ZEIT.DE erschienen. Es geht im Beitrag vor allem um die Wehrpflicht und den Zivildienst in Russland.
Interessant ist dieses Thema vor allem, weil im Moment die Armee im Wandel begriffen ist. Die neuen Reformen des Wehrdienstes, wobei die Dienstlänge auf ein Jahr verkürzt wird und die meisten offiziellen Wege zur Vermeidung des Wehrdienstes abgeschafft werden, schlagen im Moment recht hohe Wellen.
So wurde Anfang März die Reform abgeändert. Es ging dabei um die Anzahl von Universitäten mit militärischen Fakultäten. Diese erlauben es den Studenten ohne in den “normalen” Dienst zu gehen, den Offiziersrang zu erlangen. Während heute die meisten Universitäten über eine solche Einrichtung verfügen, sollten es nach der Reform ursprünglich 35 Eliteuniversitäten sein. Am 6. März wurde nun die Anzahl dieser Universitäten verdoppelt. Es wird vermutet, dass das damit zusammenhängt, dass die hohen Beamten einen sicheren Platz für Ihre Kinder in diesen Universität haben wollen. Die wahren Hintergründe sind aber wie so häufig im Verborgenen.
In diesen Tagen gibt es aber weitere Meldungen, die auf stärkere Veränderungen innerhalb der Armee hindeuten. So hat gestern am 24. März der Chef des Generalstabs der Armee Jurij Baluevkij seinen Rücktritt erklärt. Wie es aus informierten Kreisen verlautet, soll der Grund des Rücktritts im Konflikt des Generals mit dem Verteidigungsminister, Anatolij Serdukov, liegen. Der General habe sich öffentlich mit der Umsiedlung der Generalstabs der Flotte und der Marine nach St. Petersburg nicht einverstanden gezeigt. Im Kern gehe es dabei aber um den Streit, wer letztendlich das Sagen in der Armee hat, der Minister oder ein Mann aus der Armee.